Gedanken


Ich stelle mir vor, ich wäre an einem anderen Ort
Weit weg von diesem Chaos
Diesem Gestank, dem Lärm & den tausend Stimmen
Die unentwegt in meinem Kopf hämmern
Warum warum warum .......
Schließe meine Augen, fühle die warmen Sonnenstrahlen
In meinem Gesicht, den kühlen Wind der mir unbeherrscht
Durchs Haar bläst
Weit weit weg von den Kinderstimmen, vorbeirasenden
Autos, neben mir mein Hund, zufrieden schnarchend.
Menschen laufen vorbei,
ihre bohrenden Blicke in ihren leeren Gesichtern
verwundert, verächtlich, gelangweilt, oder einfach nur leer...

Die Welt dreht sich weiter, der Mensch wird nicht gefragt
Ich beobachte einen Marienkäfer, der sich krampfhaft bemüht
Einen Grashalm voller Blattläuse zu erklimmen.
Er rutscht ab, landet zappelnd auf dem Rücken
Schritte nähern sich, schnell
Ein Schatten fällt auf das kleine zappelnde etwas-
Zurück bleibt nur noch ein kleiner zermatschter schwarzer
Fleck mit roten Punkten...
Ein Bruchteil einer sec, die Blattläuse nagen Weiter unbekümmert
An ihrem Grashalm.
Da ein rascheln - mein Hund spitzt die Ohren ,springt auf
und ich sehe nur noch
Die weitaufgerissenen, entsetzten Knopfaugen der kleinen Feldmaus,
die sich zuckend im Maul meines Hundes schmerzvoll windet
und höre das bersten ihrer kleinen Knochen als er mordgierig die scharfen
Zähne zusammenklappt.
Ich schließe wieder die Augen,
höre das Gezwitscher der Vögel
Das lautstarke Schimpfen einer Elster deren Partner ihr einen fetten
Wurm wegschnappt, das schmatzen meines Hundes der die letzten Überreste
Der kleinen Feldmaus verspeist
Versuche nicht zu denken, die aufsteigende Übelkeit zu verdrängen
Lasse mich treiben, weit weg, wie die weißen Wolken über mir,
ohne Form und doch voller Gestalten


Die Sonne ist weitergewandert & färbt den Himmel
Langsam in ein tiefes blutiges Rot, der Lärm
Um mich rum wird weniger,
die Menschen sind in ihren Häusern-
vielleicht beim Abendessen, vielleicht sind sie am streiten
am sich ankeifen , während die Kinder sich weinend in
eine Ecke drücken
Vielleicht ist SIE auch gerade bei IHM
Läßt sich durchficken während ihr Mann Überstunden mit
Seiner Sekretärin schiebt , wo diese seltsamen weißen Flecken
Auf dem teuren Büroteppich entstehen
Worüber die ganzen Arschkriecher ganz genau Bescheid wissen
Und sich alles sagende Blicke zuwerfen
Es ist die Zeit des Aufgebends und des Zusammenkommen
Ein Baby wird geboren und zur gleichen Zeit stürzt sich
Ein Niemand von einer Brücke,
setzt sich einer den goldenen Schuß
Oder wirft sich vor einen heranrasenden Zug
Der Lokführer kann nur noch bremsen, während er sich in
Die Hosen macht und den Rest seines kümmerlichen Lebens
Nicht mehr ruhig schlafen wird.
Ich bin müde, so unendlich müde
Will schlafen und nicht mehr aufwachen
Keinen der Träume mehr wo mich nacht für nacht
Schweißgebadet aufwachen lassen
Eine Welt voller Chaos, eine grausame Welt der man gewachsen sein muß
Und ich weiß, ich werde wieder aufwachen, mich
Den dröhnenden Stimmen in meinem Kopf und den Menschen
Mit ihren leeren und doch schmerzhaften Blicken
Die einen wie spitze Nadeln tief im herzen treffen ,
- stellen
Die Welt dreht sich weiter, unermüdlich

Und ich sah ein fahles Pferd
Mit einem fahlen Reiter
Und der Name des Pferdes war
Pestilenz
Und der Name des Reiters
War Tod

© 99 by Silvie